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Handschriftenexkursion nach Leipzig FS 2025

Vom 31. März bis zum 5. April 2025 unternahm eine Gruppe von zwölf Studierenden unter der Leitung von Prof. Dr. Carmen Cardelle eine Exkursion nach Leipzig. Dort durften wir am Handschriftenzentrum in der Bibliotheca Albertina mit Codices des 12. bis 15. Jahrhunderts arbeiten. Alle Teilnehmenden hatten zuvor eine Handschrift ausgewählt und sich anhand von Digitalisaten vorbereitet. Vor Ort wurden dann die Originale untersucht und in gegenseitigen Referaten vorgestellt. Dabei durften wir ein breites Spektrum an Werken kennenlernen, u.a. klassisch-antike, biblische, theologische und medizinische Schriften. Die Provenienz der Bestände aus dem Zisterzienserkloster Altzelle bildete eine thematische Klammer. Auf diese Weise liessen sich Aspekte der Kodikologie und Paläographie, der Überlieferungs- und der Bibliotheksgeschichte an konkreten Beispielen studieren. Für einige Teilnehmende war es zudem der erste Kontakt mit originalen Pergamenthandschriften. 
Das Leipziger Handschriftenzentrum, das sich auch in diesem Film vorstellt, bot dafür ideale Arbeitsbedingungen. Digitalisate aller Codices, mit denen wir gearbeitet haben, können über das Handschriftenportal eingesehen werden. 

Ein Besuch in der Restaurierungswerkstatt der UBL hat uns anhand unterschiedlicher Schadensbilder die Risiken für verschiedene Beschreibstoffe und Bindungen in der Lagerung wie in der Handhabung vor Augen geführt. Wir konnten ferner anhand der Restauration eines kolossalen Chorbuches einen faszinierenden Einblick darin erhalten, wie moderne Bestandserhaltung mit reversiblen Methoden funktioniert. In der Digitalisierungsabteilung haben wir vieles über Aufnahmetechniken und Farbwiedergabe, über Multispektralanalyse und Langzeitarchivierung erfahren. Neben praktischem Wissen haben wir durch beide Besuche neue Sichtweisen auf das Handschriftenerbe gewinnen können, welche die bibliothekarische und wissenschaftliche Perspektive komplettieren. 
Eine Führung durch die Deutsche Nationalbibliothek mit anschliessendem Besuch des Deutschen Buch- und Schriftmuseums ergänzten das Programm und erweiterten den Blick auf Fragen der Buchkultur von der Antike bis in die Gegenwart 
Zum Abschluss besuchten wir die Arbeitsstelle des Althochdeutschen Wörterbuchs an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, wo uns bei einem herzlichen Empfang Einblick in die lexikographische Arbeit, in die Bedeutung des Lateinischen für die früheste deutschsprachige Überlieferung und in den „Hortulus theodiscus“ gewährt wurde. 

Unser herzlicher Dank gilt allen voran Dr. Christoph Mackert, Katrin Sturm, Felix Schulze und allen weiteren Mitarbeitenden der UB Leipzig, die uns unter idealen Bedingungen die Arbeit mit den Handschriften ermöglicht haben. Herrn Mackert und Frau Sturm sei zudem für die anregende Präsentation besonderer Stücke gedankt, in der die Vielzahl der noch offenen Forschungsfragen eindrucksvoll demonstriert wurde. 
Jörg Graf und seinem Team von der Restaurierungswerkstatt sowie Olaf Mokansky und seinem Team von der Digitalisierungsabteilung danken wir für die spannenden Einblicke in ihre Arbeitsbereiche. 
Dr. Brigitte Bulitta, Dr. Almut Mikeleitis-Winter, Dr. Aletta Leipold und den weiteren Mitarbeitenden am Althochdeutschen Wörterbuch danken wir für die Gastfreundschaft und das reichhaltige Programm. 
Schliesslich sei unser Dank dem SGLP ausgesprochen für die Finanzierung dieser gewinnbringenden Reise. 

Christoph Uiting

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