Messerscharf analysiert – Technologische Untersuchungen zur Herstellung spätbronzezeitlicher Messer
von Katrin Schäppi
Abstract: Bronzemesser waren bisher ausschließlich Gegenstand typologischer, chronologischer und chorologischer Studien. Sie werden aufgrund ihres raschen Wandels in Form und Verzierung im Sinne von Modeströmungen gerne zur zeitlichen Einordnung archäologischer Fundkomplexe wie z.B. Gräbern mit Beigaben oder Kulturschichten von Siedlungen, herangezogen. Üblicherweise enthalten derartige Arbeiten ein kurzes Kapitel oder zumindest einige Sätze zur Herstellung der Messer mit meist allgemeingültigen und eher vagen Informationen, die kaum überprüft worden sind.
In meiner Dissertation gehe ich deshalb der Frage nach, wie genau die Bronzemesser hergestellt wurden, in welcher Abfolge die einzelnen Arbeitsschritte ausgeführt, welche Gerätschaften und Techniken dabei eingesetzt wurden und über welche Kenntnisse der Bronzehandwerker verfügte. Ziel ist, die chaîne opératoire der Messerherstellung in der Spätbronzezeit vom Guss bis zum gebrauchsfertigen Alltagsgerät zu rekonstruieren.
Die Messer selbst können über Spuren auf der Oberfläche und die innere Struktur des Metalls Auskunft über ihre Entstehung geben. Diese Hinweise gilt es zu erkennen, zu erfassen und zu interpretieren. Hierzu müssen die Messer genau untersucht und mit verschiedenen Methoden analysiert werden. Verstanden und ausgewertet werden können die so gewonnenen Daten aber nur durch Experimente, bei denen der Herstellungsprozess der Bronzemesser mit authentischen Materialien und Werkzeugen nachvollzogen wird. Diese Vorgehensweise wird es in Zukunft ermöglichen, die Messer unter einem neuen, technologisch orientierten Blickwinkel zu betrachten. Darüber hinaus können uns die Bronzemesser viel über Arbeitsweise, Fähigkeiten und Kenntnisse der Handwerker sowie Vorlieben und Ansprüche der Nutzer erzählen.
Schäppi, K. (2012) Messerscharf analysiert: Technologische Untersuchungen zur Herstellung spätbronzezeitlicher Messer. In: Experimentelle Archäologie in Europa. Bilanz 2012. Oldenburg, 100-111.