Körper – Bilder – Bewegung. Die Ästhetik figürlich dekorierter (Schutz-)Waffen der Griechen und Römer
von Johannes Eber
Mein Habilitationsprojekt untersucht mit einem komparatistischen Ansatz und drei Projektsträngen die reichhaltige Bildwelt auf griechischen und römischen Schutz- und Angriffswaffen und wie sich diese teils anthropomorph gestalteten Ausrüstungsgegenstände und ihre Dekoration zum soldatischen Körper verhalten.
1. Körperbild & Bildkörper: Der soldatische Körper und anthropomorphe Schutzwaffen
Das Projekt widmet sich zunächst dem antiken Soldatenkörper und der Verschmelzung von Rüstung und Körper zu einem „Bildkörper". Anhand des Muskelpanzers und Maskenhelms untersuche ich die antiken Rüstungen als embodied objects, die den Körper nicht nur schützen, sondern in anthropomorpher Form erweitern. Der Muskelpanzer stellt den Extremfall körperbezogener Rüstungsgestaltung dar, insofern er den realen Torso des Trägers durch einen zweiten, athlethisch überhöhten Körper aus Metall überlagert. Kann dieser Panzertypus tatsächlich als „zweite Haut" verstanden werden, die den Körper unmittelbar verdoppelt und heroisiert? Oder ist er vielmehr ein eigenständiger, oftmals zusätzlich dekorierter Bildträger, der unabhängig vom individuellen Körper des Trägers eine kulturelle Aussage transportiert? Auch der – teilweise mit Frisur versehene – Maskenhelm stellt eine anthropomorphe Überlagerung des soldatischen Kopfes und Gesichts dar, die hinsichtlich ihres identitätserweiternden Potentials untersucht werden soll.
2. Bilder in Bewegung: Wahrnehmungsperspektiven auf die Träger dekorierter Waffen
Der zweite Projektstrang richtet den Blick auf die nahansichtigen, kleinformatigen Bildfelder an
verschiedenen Waffenteilen, wie die Mythenbilder an den Bronzebändern der Innenseite archaischer
Hoplitenschilde oder die figürlichen Inkrustationen römischer Schwertklingen, aber auch auf Gürtelbeschlägen, Dolch- und Schwertscheiden. Aufgrund ihrer Position sind diese Darstellungen nicht primär für ein externes Publikum, sondern vor allem für den waffentragenden Soldaten selbst sichtbar. Methodisch verbindet dieser Zugang Ansätze der Wahrnehmungspsychologie mit Konzepten zum „ancient viewer" und fragt nach den konkreten Bedingungen und Momenten der Bildbetrachtung im soldatischen Alltag, etwa bei der Waffenpflege, dem Anlegen der Rüstung oder dem tatsächliche Einsatz der Waffen im Kampf, in dem die Bilder nur noch aufblitzend erscheinen.
3. Blitz und Adler auf griechischen & römischen Waffen – Motiv, Materialität und Bedeutung
Zuletzt untersucht das Projekt die vielfältigen Bedeutungsebenen des Motivpaars Blitz und Adler auf Waffen. Beide erscheinen schon früh als Götterattribute und Herrschaftszeichen mit komplementärer, sich gegenseitig ergänzender Wirkmacht: der Blitz als tödliche Waffe, der Adler als schutzbringende Instanz. Auf dieser Grundlage erfolgt eine ikonographische Analyse der teilweise durch Flügelwesen und (Götter-)Hände ergänzten Adler- und Blitzmotive auf griechischen und römischen Schutz- und Angriffswaffen – von den Schulterklappen der Brustpanzer über Schilde und Schwertscheiden bis hin zu Gürtelbeschlägen und Schleuderbleien.