Ecologies in Past Cultures
Gesellschaften der Antike und des vormodernen Europas entwickelten sich innerhalb vielschichtiger ökologischer Rahmenbedingungen, die Siedlungsstrukturen, Wirtschaftsformen, Gesundheitsregimes und kulturelle Praktiken nachhaltig beeinflussten. Der Forschungsbereich untersucht diese historischen Mensch-Umwelt-Beziehungen und fragt danach, wie natürliche Voraussetzungen und menschliche Handlungen sich gegenseitig formten.
Im Mittelpunkt steht die Analyse menschlicher Gesellschaften als Teil ökologischer Gefüge. Wie wurden natürliche Ressourcen erschlossen, genutzt und verändert? Welche Rolle spielten Umweltfaktoren wie klimatische Schwankungen, vulkanische Ereignisse oder Epidemien für demographische Entwicklungen, Mobilität und Formen wirtschaftlicher Produktion? Und auf welche Weise strukturierten kulturelle Praktiken, institutionelle Ordnungen und technische Verfahren den Umgang von Gesellschaften mit ihrer Umwelt?
Der Schwerpunkt berührt auch die Frage, was uns literarische Texte, Inschriften oder materielle Artefakte über die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt mitteilen können, etwa im Umgang mit Ressourcen, Naturgefahren oder sakralen Orten. Und wie lassen sich aus diesen Darstellungen ferner Rückschlüsse darauf ziehen, ob vormoderne Gesellschaften ihre Umwelt eher als zu beherrschenden Raum oder als zu respektierendes Gegenüber verstanden haben?
Die Bedeutung dieses Forschungsbereichs liegt darin, langfristige Muster historischer Mensch-Umwelt-Beziehungen sichtbar zu machen und vergangene Gesellschaften in ihren jeweiligen ökologischen Handlungsspielräumen zu verorten. Durch die Verbindung historischer, archäologischer, literarischer und naturwissenschaftlicher Perspektiven entsteht eine Analyse, die zugleich zur historischen Einordnung gegenwärtiger Debatten über Nachhaltigkeit, Biodiversität und das Anthropozän beiträgt.