Der Uebergang Mesolithikum-Neolithikum im nördlichen voralpinen Raum. Gebrauchsspuren-Analyse von Silexartefakten und evolutionaere «chaîne opératoire»
von Cornelissen, Marcel
Abstract: Das Projekt erforscht die wirtschaftlichen, sozialen und kognitiven Entwicklungen des Boreal und frühen Atlantikums in Zentraleuropa durch die technologischen Prozesse. Die Gebrauchspuren-Analyse des lithischen Materials vom Fundort Arconciel/La Souche und die damit verbundenden «chaîne opératoire»-Studien spielen dabei eine zentrale Rolle.
In der Regel wird in Zentraleuropa eher nach dem Prozess der Verbreitung von Domestizierung und Landwirtschaft gefragt als nach ihrer Entstehung. Die Theorie, dass sich das Neolithikum von Südosten nach Nordwesten über ganz Europa verbreitete, stimmt nicht mehr mit den heutigen Daten überein und ist zu vereinfacht. Vielmehr gab es komplexe Szenarien von sich wiederholendem Austausch und Verkehr von Ideen, Menschen und Gütern in alle Richtungen (z.B. Gehlen 2006).
Ziele der Studie ist zweierlei. Erstens die Fragen zur frühesten Landwirtschaft (vgl.: Tinner et.al. 2007) aus einem neuen Blickwinkel – der Gebrauchsspuren-Analyse – zu untersuchen. Zweitens die sozialen, wirtschaftlichen und kognitiven Entwicklungen, die zwischen 7000 und 5000 calBC stattfanden, besser zu verstehen. Dazu wird eine Kombination von Gebrauchsspuren-Analyse von Silexartefakten und evolutionärer «chaîne opératoire» verwendet.
Als Grundlage dient das Material der Fundstelle Arconciel/La Souche (Kt. Fribourg, CH). Der Abri Arconciel/La Souche wird seit seiner Entdeckung 1998 von M. Mauvilly und seinem Team der S.A.E.F. (Service Archéologique de l´État de Fribourg) ausgegraben. Es wurden mehrere Benutzungsphasen festgestellt, die ins späte und terminale Mesolithikum datieren (zwischen 6780 calBC und 5640 calBC). Die einzelnen Nutzhorizonte sind gut datiert und äusserst fundreich. Literatur: Mauvilly 2005 und Webpage von Arconciel/La Souche.
Produktionsprozess, räumliche Organisation des Fundorts, Zweit- oder Mehrfachnutzungen der Artefakte, post-depositionelle Prozesse und boreale und frühatlantische Entscheidungsprozesse werden untersucht (Smith 2007). Auch temporale, räumliche und soziale Aspekte der Produktion und Technologien können so angesprochen werden (Riede 2006) und helfen die wirtschaftlichen, sozialen, kognitiven und technologischen Entwicklungen – die «Neolithisierung» – zu verstehen.
Gehlen, B., 2006, Late Mesolithic – Proto-Neolithic – Initial Neolithic? Cultural and economic complexity in southwestern Central Europe between 7000 and 5300 calBC, in Kind, C.-J. (ed.), After the Ice Age: Settlements, Subsistence and Social Development in the Mesolithic of Central Europe, Stuttgart, Konrad Theiss, pp. 41-57.
Mauvilly, M., 2005, L'abri d'Arconciel-La Souche (FR), un site exceptionnel du Mésolithique récent et final, in AS 28/1, pp. 40-41.
Riede, F., 2006, Chaîne Opératoire – Chaîne Evolutionaire. Putting Technological Sequences in Evolutionary Context, in Archaeological Review from Cambridge 21(1), pp. 50-75.
Tinner, W., Nielsen, E. and Lotter, A. F., 2007, Mesolithic agriculture in Switzerland? A critical review of the evidence, in Quaternary Science Review, Vol. 26; 9-10, pp. 1416-1431.
Smith, S., 2007, The use wear analysis of chipped stone points, in Finlayson, B. & Mithen, S. (ed.), The early prehistory of Wadi Faynan, southern Jordan: Archaeological survey of Wadi Faynan, Ghuwayr and al-Bustan and evaluation of the Pre-Pottery Neolithic A site of WF-16, Oxford, Oxbow Books, pp. 284-319.